Neue klinische figuren 1

Referent:in: Dr. Karl Stockreiter

 

Termin: 23.06.2023 - 24.06.2023

 

Seminarort: ZÄP-Zentrum für ärztliche Psychotherapie, Rainerstraße 15 , 4020 Linz

 

Beginn:  Freitag 16:00 Uhr

 

Dauer:  15 Einheiten

 

Kosten:  1350 €

 

Max TN Zahl: 12 TN

 

 

Seminarbeschreibung:

 

 

 »Vom allmählichen Verlust des Unbewussten. Neue klinische Figuren in der Psychoanalyse und ihre Behandlung“

 

 

In den letzten Jahren frequentiert zunehmend eine Gruppe von Analysandinnen und Analysanden die psychoanalytische Praxis, die nicht den klassischen Bildern der Neurose entspricht. Vor allem junge Analytiker/Analytikerinnen und Kandidaten/Kandidatinnen sind von den klinischen Phänomenen, die von den gewohnten psychoanalytischen Auffassungen des Symptoms und der Übertragung abweichen, sowohl irritiert als auch angezogen und daran interessiert, neue Verständnismodelle kennenzulernen und zu entwickeln. Als ein vorherrschender Zug, der den psychopathologischen Formen der Eßstörungen, Toxikomanien, Panikstörungen, der Depression, den Phänomenen der Psychosomatik, dem ADHS, den Als-Ob- Persönlichkeit u.a. gemeinsam angehört, lässt sich das Verschwinden des Begehrens ausmachen. Die Symptome sind nicht mehr Manifestationen von ins Unbewusste verdrängten archaischen Liebeskonflikten, die innerhalb eines psychoanalytischen Übertragungsgeschehens reproduziert und durchgearbeitet werden können, sondern vom Unbewussten abgetrennt und wenden sich nicht an den Anderen, wodurch die Entwicklung einer Übertragungsbeziehung erschwert ist. Im Unterschied zu den Kompromissbildungen des neurotischen Symptoms, das als entstellte Wiederkehr verdrängter Wünsche Ursache von Angst ist, dienen die Symptome der „neuen Pathologie“ in erster Linie der Angstabwehr und der narzisstischen Konsolidierung des Subjekts.

 

 

Wenn sich die Funktion der Symptome verändert hat, ist es wichtig, diese Veränderung zu befragen. Um zu verstehen, was uns diese Symptome lehren und wie eine Übertragungsbeziehung und die Handhabung des Widerstands unter diesen Bedingungen dennoch hergestellt werden kann, ist es unerlässlich, ihr Verhältnis zur Gesellschaft der Gegenwart und deren radikale Veränderungen im Austausch symbolischer Formen, welche zunehmend zu einer Auflösung des „sozialen Bandes“ führen und das Subjekt in seinem Innersten bedrohen, in die Reflexion mit aufzunehmen. Dadurch, dass die neuen Formen des Symptoms nicht nur individueller Ausdruck sind, sondern ebenso Figuren gesellschaftlicher Verhältnisse, bilden psychoanalytisch-kulturtheoretische Überlegungen die zweite Achse des Seminars.

 

 

Literatur (Auswahl)

 

 

Kulturtheorie:

  • Baumann, Zygmunt: Individiualitäten. In: Ders.: Flüchtige Moderne. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 2003, 67-109
  • Han, Byung-Chul: Müdigkeitsgesellschaft. Matthes&Seitz: Berlin. 2. Aufl. 2018
  • McGowan. Todd: Psychoanalyse nach Marx In: Postödipale Gesellschaft. Band 1. Hrsg. v. T. Soiland, M. Frühauf u. A. Hartmann. Turia&Kant: Wien-Berlin 2022, 102-116 (*)
  • Recalcati, Massimo: Der Triumph des kapitalistischen Diskurses. In: Cosa resta del padre? Milano: Raffaello Cortina Editore 2017, 26-32 (*)
  • Reckwitz, Andreas: Erschöpfte Selbstverwirklichung. In: Ders.: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Suhrkamp Verlag: Berlin, 203-238
  • Žižek, Slavoj: Ödipus online? In. Ders.: Liebe Deinen Nächsten? Nein, Danke! Verlag Volk&Welt: Berlin 1999, 227-237

 

Klinik:

 

  • Dominijanni, Ida: Die unverfügbare Prägung. In: Sexuelle Differenz in der postödipalen Gesellschaft. Band 2. Hrsg. V. T. Soiland, M. Frühauf u. A. Hartmann. Wien-Berlin: Turia&Kant 2022, 377-271  (*)
  • Kristeva, Julia: Die neuen Leiden der Seele. Gießen: Psychosozial-Verlag 2007, 9-35
  • Recalcati, Massimo: Charakteristische Psychopathologien der neuen Formen des Symptoms. In: Ders., L´uomo senza inconscio.  Milano: Raffaello Cortina Editore 2010 (*)
  • Recalcati, Massimo: Die Entscheidung der Anorexie. In: Ders.: Il tabù del mondo. Torino: Einaudi 2017, 25-28 (*)
  • Sigusch, Volkmar: Die neosexuelle Revolution. Über gesellschaftliche Transformationen der Sexualität in den letzten Jahrzehnten. In: PSYCHE 52(1998)12, S. 1192-1233
  • Stockreiter, Karl: Die Namenlosen. In: RISS 80/2013, 97-108 (*)

 

Die mit „Sternchen“ versehene Literatur kann ich Seminareilnehmerinnen, Seminarteilnehmern und Interessierten zusenden.

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

 

Teilnehmer:

1. Herlinde Aichner

2.Christian Brauner-Runge

3.Renate Silberer

4. Emanuel Jauk

5. Tanja Payerl

6. Michaela Kern

7. David Hilber

8. Hermann Papatschy

9. Alexandra Novak

10. Clara Wintersteller

11. Sonja Taglöhner

12. Waltraud Sprung

 

 

Warteliste:

1. Petra Auer

2. Ti Liu-Madl

3. Jutta Mittermaier

4. Nicole Dermastia

5. Barbara Grubner

6. Bernhard Schraußer

7. Katharina Deutsch

8. Werner Ruppnig

9. Mario Leitner

10. Anna Andrioli

11. Johannes Lederhaas